Newsletter Ausgabe 59

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Die 59. Ausgabe unseres Newsletters "Komplexität & Lernen" ist jetzt verfügbar. Hier finden Sie aktuelle Informationen aus der Wirtschaftspsychologie, sowie aktuelle Projektstände und diverse Neuerungen.



Liebe Leserin, Lieber Leser,

Der Smalltalk in Zoom-Meetings, in denen noch nicht alle Teilnehmer*innen „eingetroffen“ oder „den Raum betreten haben“ startet derzeit häufig mit der Frage „Und, bist Du schon geimpft?“, gefolgt von „Einmal oder Zweimal?“. Die dritte Frage lautet dann „Und, mit was?“, bevor dann „Wie stark waren denn die Nebenwirkungen?“ abgefragt wird. Die Einstiegsthemen in Zoom-Meetings passen sich auf diese Art dem Corona-Pandemieverlauf flexibel an. Noch einige Wochen zuvor hat man sich darüber unterhalten, ob die eigenen Eltern in der Prio-Gruppe 1 oder 2 sind, und wie froh man ist, dass die Eltern nun erstmal geschützt(-er) sind. Davor haben wir uns noch darüber unterhalten, ob man – wenn denn der Impfstoff verfügbar wäre – sich denn impfen lassen würde. Davor wiederum hat man sich darüber unterhalten, ob man die Corona-Warn-App installiert habe, und welche Fitnessgeräte man sich für Zuhause zugelegt hat.
Die Bewältigung einer Pandemie ist ein „Musterbeispiel“ für ein komplexes Problem, mit seinen Charakteristika von Eigendynamik (das Virus mutiert in aggressivere Varianten während wir denken, dass wir jetzt einigermaßen damit umgehen könnten), Intransparenz (das genaue Infektionsgeschehen und das wer, wann, wo, und wieso des Ansteckens sind nicht ganz genau nachzuverfolgen), Vernetzung (z.B. bei der Impfstoffproduktion und ihrer Logistikketten, und die Gefahr, dass diese „abreißen“ macht vielen erst deutlich wo viele Produkte eigentlich herkommen) und die Vielzahl der Ziele (man muss Pandemie-Eindämmungsziele, Infektionsschutzziele, Arbeitsmarktziele, Bildungsziele, kulturelle Ziele, Freiheitsrechte, Grundrechte, Unversehrtheitsrechte und viele weitere ausbalancieren).
Die Fußball EM 2020 hat nun ihre eigenen Ziele hinzugefügt – und man erschreckt sich schon fast aufgrund des Lärmpegels, den man von den „Geisterspielen“ gar nicht mehr gewohnt ist. Der Frühling und frühe Sommer endet nun und die Begriffe wie „Virusmutationsgebiet“, „Hochinzidenzgebiet“ oder Risikogebiet“ werden langsam – wahrscheinlich vorübergehend – aus den Gesprächswortschätzen verdrängt. Aber wie das mit der Komplexität nun mal so ist – das Virus kann uns nicht hören und mutiert einfach weiter.
Also dann bin ich mal gespannt wie es mit der Pandemie nach der EM weiter geht
– das interessiert mich tatsächlich mehr als die Frage, wer gewinnt.

Einen schönen Sommer Ihnen allen!

Annette Kluge & das gesamte Wips Team